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Großbauprojekt trifft auf Ablehnung der Bürger

Politiker stellten sich der Diskussion zu den geplanten neuen Lichterfelder Vierteln

 

LICHTERFELDE SÜD. Kaum etwas bringt die Berliner seit Jahren derart in Rage wie ihre Wohnraumknappheit. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen kündigte in ihrem Stadtentwicklungsplan „Wohnen 2025“ von 2014 215.000 neue Wohnungen an. Im „Neubaubereich 21“ Lichterfelde Süd sind 2.700 davon vorgesehen, die „bis 2020“ entstehen sollen. Doch das geplante Großbauprojekt von 2.500 Wohnungen auf dem Gebiet des ehemaligen amerikanischen Truppenübungsgebietes „Parks Range“ ist mehr als umstritten.

Am 6. September lud das „Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd“ Bürger und Politiker zur Diskussion. Mitten in der Thermometer-Siedlung, von Jugendlichen oft lieblos „Ghetto LS“ genannt, befindet sich die evangelische Eben-Ezer-Gemeinde, die um 18 Uhr mit über 80 Personen gut besucht ist. Man merkt dem Podium die Ratlosigkeit an, wie die vielen Forderungen, die das Bündnis als „Wahlprüfsteine“ gesammelt hat, noch umgesetzt werden können. Wie Hans Henning (Grüne) hervorhebt, hat der Senat sein Vorkaufsrecht versäumt und das 96 Hektar große Areal ging 2012 an die Groth Gruppe. Deren Vorschlag von 2013 führte laut Gerhard Niebergall vom Bündnis zu einer „vorvertraglichen Einigung“ mit dem Bezirksamt. Der Bebauungsplan der Groth Gruppe sieht fünf Quartiere für rund 6.100 Bewohner für rund 800 Mio. Euro vor und Cornelia Seibeld (CDU) bezweifelt nicht, dass der Bauauftrag kommen wird. Nur der Umfang sei noch fraglich. Laut Niebergall könnte der Bau 2017 beginnen.

Das letztjährige Bürgerbegehren des Bündnisses zur Begrenzung der Wohnungen auf 1.500 Wohnungen ist zudem gescheitert. Die Angst der Bürger, dass zu wenige davon „bezahlbar“ (6,50-8,50 Euro/Quadratmeter) sein werden, scheint berechtigt. Bezahlbarkeit sei nicht zu haben, wenn man zudem mindestens 30 Prozent barrierefreien Wohnraum fordere, erklärt Seibeld. Deno Hartwig (SPD) will entsprechend die Preisspanne vom Einkommen des Bewohners abhängig machen.

Eberhard Speckmann (LINKE) sorgt sich, dass ein großer Teil des Natur- und Erholungsgebiete mitbebaut werden und so Tiere und Pflanzen zurückgehen könnten. Er misstraut genau wie Hartwig dem Umweltgutachten, das möglicherweise mit Beteiligung der Groth Gruppe entstand, und beruft sich lieber auf ein Naturschutz-Gutachten von 2010. Daher will Speckmann das ganze Großbauprojekt stoppen, wofür er großen Beifall erhält. Henning wirft ihm dagegen „unredlichen Stimmenfang“ vor und wird dafür vom Publikum als „Heuschrecke“ beschimpft. Auch dem Hinweis von Mathia Specht-Habbel (FDP), durch die geplante „Riegelbebauung“ könne die Frischluft aus dem Umland den Bezirk im Sommer nicht mehr abkühlen, begegnet Henning: Kaltschneisen zwischen den Häusern würden die Kühlung bringen. Das erhöhte Verkehrsaufkommen von rund 2.800 neuen Pkw macht Specht-Habbel zusätzlich Sorge. Der Zuwachs betrifft besonders die Strecken von der Teltower Lichterfelde Allee bis zur Königsberger Straße sowie von der Osdorfer Straße bis Alt Giesensdorf. Den könnte man durch die geplante Stammbahn und Car-Sharing ausgleichen, meint Specht-Habbel. Eine höhere Frequenz der S25 hält Paul Neumann (PIRATEN) für unrealistisch. Hartwig will den Bürgern mit einem unabhängigen Lärm- und Klimagutachten entgegen kommen. Conrad Wilitzki

 

Foto: CW

 

Ressort: Politik, Soziales, Regionales, Wirtschaft, Senioren

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