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Baeke Stapel240919Die aktuelle Ausgabe:

BÄKE Courier Nr. 10/2019 vom 24. September 2019.

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Todesursache: Flucht

Bewegende 24-Stunden-Lesung in der St. Andreaskirche

TELTOW. Asyl fanden bereits im Mittelalter Verfolgte, wenn sie sich in eine Kirche flüchteten. Ein guter Platz also, um sich mit diesem brisanten Thema der Gegenwart auseinanderzusetzen, dachte Martin Bindemann, Diakon in der St. Andreas Gemeinde, als er ein Werk in die Hand bekam, das ihn sehr berührte.

„Todesursache: Flucht“ ist als Buch und Hörbuch zum Tag der Menschenrechte 2018 erschienen. Dieses Dokument enthält Essays von Geistesschaffenden, Vereinen und Hilfsorganisationen zum Thema Migrationspolitik in Europa sowie Beschreibungen einzelner Flüchtlingsschicksale. Den Hauptteil macht jedoch eine Liste aus, in der UNITED for Intercultural Action etwa 35000 Menschen erfasst hat, die von 1993 bis 2018 auf dem Weg ins sichere Europa oder in einem der EU-Ländern zu Tode kamen. Ertrunken, erstickt, verbrannt, erschossen, in den Suizid getrieben – eine Aufstellung des Grauens, die die Leser bzw. Hörer aufrütteln soll, statt weiter in Gleichgültigkeit und Egoismus zu verharren, Mitgefühl zu zeigen, Unterstützung zu geben und diese von der Politik einzufordern.Dieses Buch wurde Grundlage einer 24-Stunden-Lesung in der St. Andreaskirche, die am Morgen des 21. September begann und am Morgen des 22. September endete. Beteiligt waren etwa 120 Personen, die bei den Lesungen und dem Aktionsteil mitwirkten oder die gastronomische Betreuung übernommen hatten. Am Samstag um 10 Uhr startete die Lesung mit dem Anzünden einer Kerze, an der die Beteiligten jeweils vor ihrem Vortrag ein Teelicht für ein „Lichterkreuz“ am Boden entzündeten. Bindemann begann mit dem Vorwort, dem folgten die Beiträge aus dem Buch, gelesen von Gemeindemitgliedern und Gästen, darunter der Kleinmachnower Schauspieler und Sprecherzieher Bernhard Hanuschik, der auch am Hörbuch mitgewirkt hatte. Er trug Abschnitte aus der Totenliste vor. Auf die Lesungen folgte allstündlich eine Aktion musikalischer oder künstlerischer Art. So sang als erstes der Kinder- und Jugendchor der Gemeinde und am Abend, kurz vor Ablauf der ersten 12 Stunden, der Chor einer eritreischen Gemeinde aus Berlin, der sich aus Flüchtlingen zusammensetzt. Zuvor war Anja Tuckermann, eine der beiden Herausgeberinnen des Buches, erschienen, las Gedichte und beantwortete Fragen zu den von ihr aufgeschriebenen Flüchtlingsberichten. Vor der Kirche waren Tafeln aufgebaut, an denen bis zum Einbruch der Dunkelheit gegessen und geplaudert werden konnte. Bereits zur „Halbzeit“ äußerte sich Martin Bindemann erfreut über den Verlauf der Aktion.  MCK

Auch die Nacht hindurch wurde das Projekt fortgeführt. Tatsächlich blieben einige Zuschauer bis nach 23 Uhr im Gestühl der Kirche sitzen, lauschten bei Kerzenschein den Namen der Toten und deren Geschichten. „Wir haben nur eine kleine Lücke von Vortragenden in der Nachtmitte, die wir aber ausgleichen konnten“, so Bindemann. Für die Aktiven wie dem Netzwerk Tolerantes TTKS, das Lieder vortug, war eine kleine Tafel zur Stärkung mit Stullen, Obst und Pizza aufgebaut worden. „Der Zuspruch aus der Kirchgemeinde und auch der Bürger war durchweg positiv“, erklärt Bindemann „und der Ablauf konnte trotz kleiner Verschiebungen eingehalten werden.“ Die kulturelle Veranstaltung passt treffend nach Teltow, nachdem die Stadt durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 4. August der Bewegung „Seebrücke“ beigetreten war. CW, 24.09.19

 

24h-Lesung

 

Fotos: MCK

 

Ressort: Kultur

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